Über 125 Jahre Calwer Schwarzwaldverein

Am 23. November 1884 haben sich Persönlichkeiten aus den Oberamtsbezirken Calw, Freudenstadt, Nagold, Neuenbürg, Oberndorf und von der Stadt Stuttgart im großen Saal des Stuttgarter Restaurants Zäch zusammengefunden, um den Württembergischen Schwarzwaldverein zu gründen. Zum provisorischen Gründerkomitee gehörten aus dem Oberamt Calw Fabrikant W. Federhaff, Oberamtmann Flaxland, Gutsbesitzer E. Horlacher, Fabrikant Eugen Stälin, Kommerzienrat Julius Stälin, Fabrikant E. Zöppritz aus Calw. Aus einer Anzeige im Schwäbischen Merkur als Aufruf zur Gründungsversammlung des Schwarzwaldvereins ist u. a. zu entnehmen:

Die landschaftlichen Schönheiten des württembergischen Schwarzwaldes, des lieblichen Enz-, Nagold- und Albthales, des ernsteren Murg- und Kinzigthals mit ihren einzigartigen Bildern reichen Nebenthälern und den weithin ausschauenden, die herrlichsten Fernsichten gewährenden Bergen, sind noch lange nicht genügend bekannt und aufgeschlossen…

Nachdem offensichtlich alsbald danach in Calw vorbereitende Gespräche geführt worden waren, hat E. Stälin für den 11. Januar 1885 in Calw eine Versammlung einberufen zum Zwecke der Gründung eines Bezirksvereins, wie es in den Statuten des erst vor wenigen Wochen aus der Taufe gehobenen Württ. Schwarzwaldvereins vorgesehen war.

geschichte1Aus dem Gründungsprotokoll ist zu entnehmen, dass 42 Mitglieder dem Verein mit der Gründung beigetreten sind. Eine stabile Grundlage, um sofort zur Wahl des Vorstandes und des Ausschusses zu schreiten. Großen Wert legte man darauf, dass die Orte Teinach, Hirsau und Liebenzell im Ausschuss vertreten waren.

An die Spitze des Bezirksvereins Calw treten als Vorstand Stadtschultheiß Haffner, Schriftführer Gutsbesitzer E. Horlacher, als Rechner Fabrikant E. Zöppriz und in den Ausschuss wurden gewählt Oberförster v. Gaisberg, Liebenzell; Oberförster Hepp, Hirsau; Dr. Wurm, Teinach; Insp. Stuppel, Fabrikant E. Stälin und Fabrikant E. Federhaff.

Ohne Verzug ging man sofort an die Arbeit. So ist aus dem Protokoll der ersten Ausschusssitzung am 21. Februar 1885 zu entnehmen, dass 135 Mark für eine Schutzhütte zwischen Calw und Zavelstein, neun Wegzeiger und für die Verbesserung des Weges von Ernstmühl zur Platte bereitgestellt wurden.

Anzumerken ist, dass Calw als Bezirksverein den weitaus größten Teil des Oberamts zu betreuen hatte, da in den Nachbarorten Schwarzwaldvereine erst in späterer Zeit entstanden sind. Aus heutiger Sicht ist es auch nicht vorstellbar, dass das gemeinsame Wandern, das Erleben in der Natur, in den Gründungsjahren fast ohne Bedeutung war. Es fehlte im gesamten Schwarzwald an einem ausgebauten und einigermaßen begehbaren Wegenetz, besonders aber an Hinweistafeln, Wegmarkierungen, Entfernungsanzeigen etc. Die wegweisende Raute war noch nicht erfunden. Zunächst wurden also nur Wege angelegt und markiert sowie Schutzhütten errichtet.

geschichte2Die erste Mitgliederversammlung wurde mehr als vier Jahren nach der Gründung am 19. Mai 1889 im Waldhorn in Calw abgehalten. Nach 1897 fanden die Mitgliederversammlungen in der Regel jährlich statt.

Erst im Jahre 1904 wurde beschlossen, regelmäßig Wanderungen durchzuführen und auch Damen zuzulassen. Der erste Wanderplan stammt aus dem Jahre 1907. Floßfahrten auf der Nagold waren die alljährlichen Höhepunkte des Vereinslebens.

Die Mitgliederzahlen zeigten in der Folge wachsende Tendenz. Der Schwarzwaldverein war aus dem gesellschaftlichen Leben der Oberamtsstadt nicht mehr wegzudenken. Es gehörte zum guten Ton, dabei zu sein. Die verantwortlichen Männer der ersten Stunde waren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Bürger, die einen eigenen Betrieb hatten. Auch Forstleute waren immer wieder eifrige Förderer der Ortsgruppe. So war es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Mitglieder bis zum 1. Weltkrieg kräftig anstieg. 1901 machte sich der Zweigverein Bad Teinach-Zavelstein selbständig, 1904 Liebenzell und 1922 Hirsau. Dadurch ging die Mitgliederzahl auf 250 zurück, die zuvor mal 432 betrug. Am 1. April 1938 wurde der Calwer Schneeschuhverein mit dem Schwarzwaldverein verschmolzen. Langsam erholte sich der Mitgliederbestand wieder. 1984 gehörten 676 dem Schwarzwaldverein Calw an; heute sind es noch 460.

Hauptversammlungen des Württembergischen Schwarzwaldvereins fanden am 22. September 1889 und am 11./12. Juli 1925 in Calw statt. Nach der Fusion des badischen und württembergischen Schwarzwaldvereins war Calw vom 12. bis 14 Juni 1937 und vom 21. bis 23. Mai 1977 Austragungsort der Hauptversammlung.

1945 verbot die französische Militärregierung das gesamt Vereinsleben in der von ihr besetzten Zone. Am 15. Januar 1949 konnte die Ortsgruppe wieder neu gegründet werden. An der ersten Wanderung nahmen 65 Personen teil.

Das 125-jährige Bestehen feierte die Ortsgruppe am 09. Oktober 2010.

Die Ortsgruppe Calw hat sich den Bedürfnissen des heutigen Wanderns angepasst.

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